Die Lange Wand

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von Dipl.-Geol. Helmut Garleb, Dr. Klaus George mit freundlicher Genehmigung des Regionalverband Harz

TL;DR (Too long; did’nt read)

Die „Lange Wand“ gleicht einem Fenster in die Erdgeschichte: Vom Ilfelder Porphyrit (280 Mio. J.) über den Kupferschiefer bis zum Zechsteinkalk (250 Mio. J.). Im gleichnamigen Bergwerk wurde seit dem 16 Jh. unter anderem der Kupferschiefer abgebaut. Hier kann man neben Kobalterz und Schwerspat auch Fischfossilien bewundern, die sogenannten „Kupferschiefer-Heringe“.

Am Grunde des Zechsteinmeeres

Der Nationale Geotop „Lange Wand“

Die „Lange Wand“ südlich von Ilfeld ist über eine innerörtliche Straße vom Haltepunkt „Ilfeld Schreiberwiese“ der Harzquerbahn aus zu erreichen. Der Steilhang am Ostufer der Bere ist ein klassischer geologischer Aufschluss, wo magmatische Gesteine (Ilfelder Porphyrit) des Rotliegenden von den Ablagerungen des Zechsteinmeeres überlagert werden. Nach der Herausbildung des Harzes als Gebirge entstanden in der Permzeit vor ca. 300 Mio. Jahren durch Vulkanausbrüche mächtige Lavaschichten. Durch die ständig wirkenden Kräfte der Verwitterung wurde das Land danach völlig eingeebnet und vor etwa 255 Mio. Jahren erneut vom Meer überflutet. Es begann die Zechsteinzeit. Am Strand des Zechsteinmeeres wurden Sand und Geröll angespült. Das Meer drang allmählich weiter in das Landesinnere vor, wurde tiefer, und es bildete sich schwarzer Schlamm mit wertvollen Metallen wie Kupfer und Silber. Die in dem Meer lebenden Fische sanken nach ihrem Tod auf den Grund und wurden in den Schlamm eingebettet. Ihre fossilen Überreste kennt man heute unter dem Namen Kupferschiefer-Hering.

Kupferschiefer-Heringe aus Buchholz bei Nordhausen, J C D, Public domain, via Wikimedia Commons

Der Charakter des Meeres veränderte sich zu einem tropischen Flachmeer. Die in dem warmen Wasser lebenden Organismen bildeten Kalkablagerungen. Die weitere Entwicklung des Zechsteinmeeres führte zur Bildung der mächtigen Gips- und Anhydritlager und der Stein- und Kalisalze im Thüringer Becken. An der „Langen Wand“ sehen wir genau auf die Grenze zwischen der alten Landoberfläche und dem Zechstein. Wir erkennen den durch das Meerwasser gebleichten Porphyrit, die zu Sandstein verfestigten Strandsedimente (Zechsteinkonglomerat), den zu dünn-plattigem Gestein verfestigten schwarzen Schlamm, den Kupferschiefer und darüber die zu einem bankigen Kalkstein gewordenen kalkigen Ablagerungen: den Zechsteinkalk.

Kupferschieferbergbau

Eingang zum Schaubergwerk „Lange Wand“

Das Besucherbergwerk „Lange Wand“ befindet sich ebenfalls am linken Ufer der Bere. Am Aufschluss „Lange Wand“ blickten wir zunächst wie durch ein Fenster der Erdgeschichte in die Zeit des Perms. Nun können wir das bereits Beobachtete im Inneren der Erde aus der Sicht des Bergmanns betrachten. Die bergmännischen Aktivitäten reichen hier wohl bis in das 16. Jh. zurück. In mehreren Stollen wurden zunächst Kobalterze und Schwerspat, später dann auch Kupferschiefer gefördert. Ende des Jahres 1860 kam der Bergbau endgültig zum Erliegen. Ein wirtschaftlicher Erfolg war dem Bergwerk in allen Betriebsperioden versagt geblieben.

Schichtenfolge im Bergwerk

Im Schaubergwerk können die charakteristisch ausgebildeten Vorkommen von Kobalt- und Kupfererzen beobachtet werden. Durch die unterschiedliche Lagerung in Erzrücken bzw. im Kupferschieferflöz gab es mit Gangerz- und Flözabbau auch unterschiedliche Bergbautechnologien. Die Aufbereitung der in der Grube „Lange Wand“ gewonnenen Kupfer- und Kobalterze erfolgte in zwei Hütten. Die ältere Hütte befand sich in der Nähe der heutigen Papierfabrik. Die zweite Hütte, die Johanneshütte, stand auf dem Territorium des heutigen Hotels „Zur Tanne“.

Ein am Bergwerk beginnender Rundwanderweg lädt zum Entdecken der vielfältigen Natur ein. Ob eine Wetterstation, eine Goldwaschanlage oder andere interessante Angebote: Es ist sicherlich für jede und jeden etwas dabei! Besonders Schulklassen nutzen den Rundwanderweg gerne als Grünes Klassenzimmer.

Der in Quedlinburg geschäftsansässige Regionalverband Harz koordiniert die Geoparkarbeit im südlichen Teil des UNESCO-Geoparks. Um die geologische Vielfalt der Harzregion zwischen dem Großen Bruch im Norden und der Hainleite im Süden begreiflich zu machen, hat er ein flächendeckendes Netz aus Landmarken und Geopunkten entwickelt. Landmarken wie der Poppenbergturm sind weithin sichtbare oder besonders bekannte Punkte des Geoparks. Geopunkte sind Fenster in die Erdgeschichte. Der Aufschluss „Lange Wand“ ist Geopunkt 7 im Gebiet der Landmarke 6 – Poppenbergturm.

3D-Modell

Impressionen

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