Der Teufelstisch

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Besondere geologische Formationen ziehen seit jeher die Menschen in ihren Bann. Insbesondere, wenn diese so skurril sind, dass sie nur der Teufel persönlich erschaffen haben kann. Dies trifft auch auf den Teufelstisch bei Hinterweidenthal in der Urlaubsregion Hauenstein im Pfälzer Wald (Rheinland-Pfalz) zu, den sich der Teufel der Sage nach kurzerhand als Esstisch aufgestellt hat, wie der Ausschnitt aus dem Gedicht von Johann Martin Jäger alias „Fritz Claus“ (1853 –1923) eindrucksvoll erzählt:

Da – wie mit Blitzesschnelle
Packt jetzt zwei Felsen frisch
Der grimmige Geselle
Und stellt sie auf als Tisch.

Nachdem er dran gegessen,
Ging durch die Nacht er fort.
Den Tisch, wo er gesessen,
Den ließ er einfach dort.

Tatsächlich kann die Entstehung des 14 m hohen Pilzfelsens, der in den Regionen Hauenstein und Dahner Felsenland übrigens nicht einzigartig ist, allein geologischen Prozessen zugeschrieben werden.   

Übersicht

Zur Zeit des Buntsandsteins (zwischen 252,5 und 246 Mio. Jahren vor heute) begann der Superkontinent Pangäa auseinanderzubrechen. Das heutige nördliche Mitteleuropa lag damals nördlich des Äquators fernab der Küsten. Es lag im Inneren des Kontinents bei etwa 40° N im Bereich eines großen, intrakontinentalen Sedimentbeckens (Abb. 1). In diesem zentraleuropäischen Becken, das auch als Germanisches Becken bezeichnet wird, herrschte ein trockenes und warmes, wüstenartiges Klima, Regenfälle gab es sehr selten (Lepper et al. 2013, Paul & Puff 2013, Meschede & Warr 2019). Die Sedimente des Buntsandstein bestehen zumeist aus terrestrischen Ablagerungen, die von den umgebenden Hochgebieten durch weit verzweigte, oftmals nur episodisch wasserführende Flusssysteme in das Becken transportiert wurden. Die Flüsse endeten in abflusslosen Senken, die weite Teile des zentralen Buntsandsteinbeckens einnehmen. Neben diesen fluviatilen Sedimenten lagerten sich in Trockenzeiten immer wieder auch vom Wind transportierte äolische Sedimente ab (DSK 2013).

Etwa 200 Millionen Jahre später, im Paläogen – also vor etwa 48 Millionen Jahren vor heute – begann in Südwestdeutschland der Oberrhein-Graben einzubrechen. Von diesen tektonischen Prozessen war auch der angrenzende Pfälzer Wald betroffen – er zerbrach in Teilschollen, die ungleichmäßig gehoben und teilweise schräggestellt wurden. Durch nachfolgende Erosionsprozesse wurden dann die den Buntsandstein überlagernden Schichten wieder abgetragen. Seine heutige Gestalt erhielt der Pfälzer Wald gegen Ende des Känozoikums unter dem Einfluss der Kalt- und Warmzeiten. Es entstand ein komplexes Relief der großflächig zu Tage ausstreichenden Buntsandsteinschichten mit tief eingeschnittenen Kerbtälern und vielfältigen Bergformen. Besonders das Dahner und das Annweiler Felsenland im Süden des Pfälzer Waldes zeichnen sich durch ihre abwechslungsreiche und bizarre Felsenlandschaft aus (Lang et al. 2007), die durch Felsbildungen wie Überhänge, Felsentore und vor allem pilz- und tischförmige Strukturen charakterisiert sind. Der Teufelstisch spiegelt besonders eindrucksvoll die Wirkung dieser kleinräumigen Verwitterungsprozesse wider (Lang et al. 2007, LBG-RLP 2005).

Abb. 1: Paläogeographische Übersicht über das Mittel- oder Zentraleuropäische Buntsandsteinbecken
Blaues Raster: Steinsalzverbreitung im Oberen Buntsandstein (Röt-Formation) (aus Lepper et al. 2013).

Stratigraphische Zuordnung

Während der Zeit des „Buntsandstein“ werden – wie es der Name schon sagt – vor allem bunte Sand-, Schluff- und Tonsteine in einem großen Sedimentationsbecken abgelagert, das in West-Ost-Richtung vom heutigen England bis nach Polen und von Nord nach Süd von Skandinavien bis in die Schweiz reichte (DSK 2013). Die Region Hauenstein und das Dahner Felsenland werden von Sandsteinen geprägt, die sich zur Zeit des Unteren Buntsandsteins, vor etwa 252,5 bis 249 Mio. Jahren vor heute, bildeten. Diese Schichtenfolge – aus denen auch der Teufelstisch besteht – wird in Rheinland-Pfalz als Rehberg-Schichten bezeichnet, die mit der Bernburg-Formation des zentralen Buntsandsteinbeckens korreliert werden kann (Abb. 2) (Lang et al. 2007, Röhling et al. 2018).

Abb. 2: Korrelation der linksrheinischen Buntsandsteingliederung (Saarland, Pfalz) mit den nordöstlich gelegenen Buntsandsteingebieten (aus Röhling et al. 2018).

Lithologische Beschreibung

Die etwa 150 m mächtige Rehberg-Formation besteht aus einer Wechselfolge von härteren Felssandsteinen – den sogenannten „Felszonen“ und weicheren Sandsteinen, den „Dünnschichten“ (Lang et al. 2007). Bei den „Felszonen“ handelt es sich um Flussablagerungen, die aus teilweise verkieselten, mittel- und grobkörnigen, teils geröllführenden, häufig auch schräggeschichteten, meist massigen und rotvioletten Sandsteinen bestehen. Die Dünnschichten sind nicht verkieselt. Sie entstanden zumeist durch äolisch eingetragene Sedimente im Stillwasserbereich (Lang et al. 2007, Dachroth 2013). In den feinkörnigen, hellziegelrot bis orange gefärbten Dünnschichten fehlen Gerölle und Tonpartien und damit jeder Hinweis auf nennenswerte Beteiligung von Wasser bei der Ablagerung. Somit spiegeln sie ein maßgeblich vom Wind gesteuertes Sedimentationsmilieu bei trocken-heißen Klimabedingungen in den abflusslosen Senken einer Wüstenlandschaft wider (LBG-RLP 2010). Herkunftsgebiet der Sedimente ist das Gallische Land, welches das Buntsandsteinbecken im Westen begrenzte und vom heutigen Belgien bis in das Zentralmassiv in Frankreich reichte (Lang et al. 2007, Lepper et al. 2013, Dittrich 2013).

Entstehung der Tischfelsen

Die Rehberg-Schichten neigen zur Ausbildung von Tischfelsen, wie dies beispielhaft der 14 m hohe Teufelstisch zeigt. Die verkieselten härteren Felszonen liegen weicheren Dünnschichtlagen auf, die wesentlich anfälliger für Verwitterung und Erosion sind. Der tischartige Block schützt den Rest der noch vorhandenen weicheren Dünnschichten vor weiterer Abtragung. Die Form des Teufelstisches und auch der drei dünnen Säulen, auf denen er lagert, ist durch den Verlauf geologischer Trennflächen („Klüften“) vorgezeichnet, während die Unter- und die Oberseite der Tischplatte Schichtgrenzen entsprechen (Lang et al. 2007).

Das Naturdenkmal „Teufelstisch“ ist eines der Wahrzeichen des Pfälzer Waldes und wurde 2006 mit dem Prädikat „Nationaler Geotop“ ausgezeichnet (Lang et al. 2007). Daneben gibt es zahlreiche weitere beeindruckende Felsformationen in der Region Hauenstein und dem Dahner Felsenland, die einen Besuch lohnen!

3D-Modell

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Impressionen


Mundart-Ecke

Viele Sagen ranken sich um den Teufelstisch. Die wollen wir euch hier nicht vorenthalten. Und was wäre da besser als diese Geschichten auf Pfälzer Mundart zu erzählen? Hierfür konnten wir einen echten Pfälzer gewinnen. Er war zuletzt Preisträger beim Mundartwettbewerb Dannstadter Höhe 2020. Im Audio trägt Hermann Josef Settelmeyer (im Bild) zwei Teufelstischsagen vor.  

Hermann Josef Settelmeyer
Audiodatei zweier Teufelstisch-Sagen, gesprochen von Hermann Josef Sattelmeyer.


TL;DR (too long; didn’t read)

Der Teufelstisch besteht aus Sandstein. Der Teufel soll den Tisch aufgestellt haben, das stimmt natürlich nicht. Tatsächlich bildete sich das Gestein vom Teufelstisch vor 250 Millionen Jahren in einer Wüste. Und die Form entstand durch Wind und Regen, die den Fels bearbeiteten. Dabei verwitterten weiche Gesteinsschichten leichter und harte, massive Gesteinsschichten schwerer. Deshalb bildete sich eine Art Tisch mit einer großen Tischplatte aus den massiveren, widerstandfähigeren Sandsteinschichten. Es gibt noch viele solcher Felsen im Pfälzer Wald. Ein Besuch lohnt sich.


Schriftenverzeichnis

Dachroth, W.R. (2013): Der Buntsandstein der Lothringen-Pfalz-Senke. – In: Deutsche Stratigraphische Kommission (Eds.; Koordination und Redaktion: J. Lepper & H.-G. Röhling für die Subkommission Perm-Trias): Stratigraphie von Deutschland XI. Buntsandstein. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 69: 487–513.

Dittrich, D. (2013): Wüsten und Meere – Die Pfalz im Erdmittelalter.– In: Haneke, J. & Kremb, K. (Hrsg.): Beiträge zur Geologie der Pfalz. Veröffentlichungen der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, 110: 20-34.

DSK (Deutsche Stratigraphische Kommission, Eds.; Koordination und Redaktion: J. Lepper & H.-G. Röhling für die Subkommission Perm-Trias) (2013): Stratigraphie von Deutschland XI. Buntsandstein. – Schriftenr. Dt. Ges. Geowiss., 69: 657 S.; Stuttgart (E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung).

Lang, R., Frost, F. & Dittrich, D. (2007): Ein grandioses Naturdenkmal – Der „Teufelstisch“ bei Hinterweidenthal im Pfälzer Wald. – In: Look, E.-R. & Quade, H. (Hrsg.): Faszination Geologie. Die bedeutendsten Geotope in Deutschland, 2. Aufl.: 106–107.

Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz (LBG-RLP) (Ed.) (2010): Steinland-Pfalz. Geologie und Erdgeschichte von Rheinland-Pfalz. – 84. S.; Stuttgart (E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung).

Lepper, J., Rambow, D. & Röhling, H.-G. (2013): Lithostratigraphie des Buntsandstein in Deutschland. – In: Deutsche Stratigraphische Kommission (Eds.; Koordination und Redaktion: J. Lepper & H.-G. Röhling für die Subkommission Perm-Trias): Stratigraphie von Deutschland XI. Buntsandstein. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 69: 69–149.

Meschede, M. & Warr, L. N. (2019): The Geology of Germany. A process-oriented approach. – 305 pp.; (Springer).

Paul. J & Puff, P. (2013): Das Klima des Buntsandstein. – In: Deutsche Stratigraphische Kommission (Eds.; Koordination und Redaktion: J. Lepper & H.-G. Röhling für die Subkommission Perm-Trias): Stratigraphie von Deutschland XI. Buntsandstein. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 69: 213–221.

Röhling, H.-G., Lepper, J., Diehl, M., Dittrich, D., Freudenberger, W., Friedlein, V., Hug-Diegel, N. & Nitsch, E. (2018): Der Buntsandstein in der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2016 / The Buntsandstein Group in the Stratigraphic Table of Germany 2016. – Z. Dt. Ges. Geowiss. (German Journal of Geology), 169 (2): 151–180.


Text: Rosalie Kunkel, Korrekturen: Martin Meschede/Greifswald, Heinz-Gerd Röhling/Berlin, Valeska Decker/Bonn, Gösta Hoffmann/Bonn.

Übersetzung: Laurence N. Warr/Greifswald.

5 Replies to “Der Teufelstisch”

  1. Gratuliere: ein besonders schönes Geotop; die Natur ist doch ein großartiger Designer. Hut ab, ganz tolle Präsentation, muß man aber erst mal können! Fast noch besser: Wenn man drunter sitzt und ein voller Becher blitzt!
    Freue mich schon auf die nächste Überraschung, Dank und Gruß und Glück-Auf!
    Ihr / Euer Werner Sta

    1. Lieber Werner,
      wenn es sich alles so entwickelt wie wir uns das vorstellen, dann wird es zur Jubiläumstagung im Jahr 2023 eine große Deutschlandexkursion zu diesen Geotopen geben. Und dann können wir das mit dem vollen Becher am Teufelstisch gerne umsetzen. Fühl dich eingeladen 🙂
      Beste Grüße aus Bonn
      Gösta

  2. Super! Wir warten schon lange auf so etwas hier in Deutschland. Jetzt hoffen wir mal, dass es in zukünftigen Weiterentwicklungen auch Möglichkeiten gibt um weitere Detailfotos der Besucher einzutragen und abzurufen (eine Art Google Earth des virtuellen Aufschlusses, crowd-geology)

  3. Das ist ja phantastisch!
    Eine wunderbare Möglichkeit, sich umfassend und anschaulich zu informieren.
    Die 3D Darstellung ist großartig anzusehen, viele Einzelheiten werde sehr deutlich.
    Der Begleittext ist seh anschaulich und überaus interessant.
    Vielen Dank für die tolle Arbeit!

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