Das Felsenmeer im Lautertal

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Von weitem schon sind die rundlichen Felsen im Wald sichtbar – das Felsenmeer im Lautertal. Kristallines Gestein wurde zunächst durch Wollsackverwitterung in die gerundete Form gebracht. Ein Transport in Hanglage durch Frost-Tau-Prozesse sorgte für die heutige Form der Blockhalde. Schon die Römer haben die Steine genutzt und bearbeitet.

Im Jahr 2002 wurde das Felsenmeer im Lautertal zum ersten Geotop des Jahres im Geo-Naturpark gewählt. Der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald ist seit 2002 UNESCO Geopark und seit 2004 ebenfalls europäischer und globaler Geopark.
Das Felsenmeer zählt jedes Jahr über 100.000 Besucher und ist ein schönes Naherholungsziel für Kinder und Erwachsene, um die Geologie und die kulturgeschichtliche Vergangenheit kennenzulernen. 

Die kristallinen Gesteine des Felsenmeers sind Zeugen des Zusammenstoßes zweier Urkontinente im Erdaltertum vor etwa 340 Millionen Jahren. Die „Quarzdiorite“ entstanden aus Gesteinsschmelzen, die sich infolge der Kollision bildeten und in der Erdkruste in etwa 12 km Tiefe erkalteten. Das ebenfalls bei dem Zusammenstoß der Kontinente entstandene „Variszische Gebirge“ wurde in der Folgezeit wieder abgetragen, wodurch die tief in der Erdkruste erkalteten Gesteine heute direkt an der Oberfläche liegen.

Ihre besondere rundliche Form – die Fachleute nennen sie „Wollsäcke“ – erhielten die Quarzdioritblöcke in der Tertiärzeit vor etwa 50 Millionen Jahren als in unserer Region Verwitterung unter subtropischem Klima herrschte. In den an der Oberfläche liegenden, zerklüfteten Gesteinskörper drangen saure Niederschläge ein, die eine tiefgründige Zersetzung der Gesteinsminerale bewirkten. So vergruste das Gestein von den Klüften ausgehend tiefgreifend, und nur rundlich geformte „Gesteinskerne“ blieben verschont.

Schemazeichnung Granitverwitterung © J. Babist

In den Kaltzeiten (vor etwa 2,6 Millionen bis 10.000 Jahren) kam es dann infolge von Frost- Tauwechseln in den Hanglagen zu Bodenbewegungen (sog. „Gelifluktion“). Hierdurch wurde das verwitterte Material talwärts wegtransportiert. Die verbliebenen Gesteinskerne gerieten ebenfalls in Bewegung und sammelten sich in Rinnen hangabwärts, wo sie heute noch liegen. Die Entstehung des Felsenmeeres ist demnach das Werk komplexer Vorgänge, die vor 340 Millionen Jahren einsetzten, bei subtropischen Klimaten fortdauerten und in den Eiszeiten ihren Höhepunkt fanden. Schon die Römer wussten die Gesteine des Felsbergs zu schätzen. Mehr als 300 Werkstücke zeugen im oberen Bereich des Felsenmeers von einer ehemals regen antiken Steinbruchtätigkeit (200 – 400 n. Chr.). Das Felsenmeer- Informationszentrum (FIZ) bietet umfangreiche Infos und thematische Führungen sowie eine Ausstellung zur Erdgeschichte und zur römischen Steinbearbeitung.

Schemazeichnung Solifluktion © J. Babist

Impressionen

3D-Modelle

Schriftenverzeichnis

Babist, J., Voegler, A. & Gnirss, M. (2010): Spuren antiker Steingewinnung bei Heppenheim? – Experimentelle Ansätze zum Aufbau einer Typologie der Keiltaschen. In: Geschichtsblätter des Kreises Bergstraße, Band 43, Verlag Laurissa, Lorsch; S. 235–272. ISSN 0720-1044 (PDF)

Barth, H. (1970): Quarzdiorit und Granodiorit des Felsberg-Zuges im Bergsträßer Odenwald: Ihre geologische und petrologische Beziehungen zu Marmor und Amphibolit, Gabbro und Diorit, Dissertation Heidelberg, 144 S.

Fahlbusch, K., Jorns, W.,  Loewe, G.  & Roeder, J. (1985): Der Felsberg im Odenwald. Mit archäologischen und geologischen Beiträgen über die Entstehung der Felsenmeere und die Technik der römischen Granitindustrie. Theiss, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0792-5 (Führer zur hessischen Vor- und Frühgeschichte 3).

Göldner, H. & Weyrauch, W. (1989): Der Felsberg im Odenwald. Führungsblatt zur römischen Steinindustrie bei Lautertal-Reichenbach, Kreis Bergstraße. Wiesbaden 1989, ISBN 3-89822-080-X (Archäologische Denkmäler in Hessen 80)

Grimm, W.-D. (1990): Bildatlas wichtiger Denkmalgesteine der Bundesrepublik Deutschland, hrsg. vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Gesteins Nr. 020, Lipp-Verlag. München 1990. ISBN 3-87490-535-7

Henrich, K. (2008): Das Odenwälder Felsenmeer und das „vergessene“ Naturschutzgebiet Felsberg (PDF; 6,6 MB). Kassel: KOBRA, 2008.

Hiller, M. (2002): Abenteuer Felsberg. Felsenmeere und Römersteine. Hiller, Glaser und Reiser. Lautertal 2002. ISBN 3-9806064-3-0.

Lindenthal, J. (2004): Kulturelle Entdeckungen. Archäologische Denkmäler in Hessen. Jenior, Kassel 2004, S. 139–141, ISBN 3-934377-73-4.

Weber, J. (2006): Schon die Roemer haben es genutzt: Das Felsenmeer bei Lautertal im Odenwald. In: Ernst-Ruediger Look und Ludger Feldmann: Faszination Geologie: Die bedeutendsten Geotope Deutschlands, E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung Stuttgart 2006, ISBN 3-510-65219-3, S. 66f., S.67.

Weber, J. & Bühn, S. (2013): Zwischen Granit und Sandstein – eine Reise in die Erdgeschichte der Geo- Naturpark Region.- 43 S., Laurissa-Verlag.

Werner, J. (1959): Der Felsberg im Odenwald, Amt für Bodendenkmalpflege im Reg.-Bez. Darmstadt, Inventar der Bodendenkmäler, Heft 1, Bärenreiter Verlag Kassel und Basel 1959.

2 Replies to “Das Felsenmeer im Lautertal”

  1. Am besten ohne Hintergrundmusik! Wenn schon Musik, dann möglichst ohne Perkussion. Und wenn es doch Perkussion sein muss, dann nicht so laut, dass sämtlicher Text zerhackt wird. Interessant war es trotzdem.

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